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Nachhaltiges Flächenmanagement im Grünen Ring Leipzig

5 Frau Zábojník, Sie haben das Flächenmanagement von Anfang an mit aufgebaut. Auf welche bisherigen Leistungen sind Sie stolz? Vieles von dem, was wir uns Ende der 1990er-Jahre vorgenommen haben, ist heute umgesetzt. Das ist eine gute Nachricht und macht mich stolz. Hervorheben möchte ich besonders das vernetzte Denken in der Region. Jede Kommune des Grünen Rings Leipzig kann inzwi- schen etwas mit dem Schlagwort »Nachhaltiges Flächenmanagement« anfangen; überall steht das Thema auf der Agenda. Das war zu Beginn nicht selbstverständlich, ist aber angesichts des willkommenen Investi- tionsdrucks und der fortschreitenden Bodenversiegelung unverzichtbar. Herr Rosenthal, Sie sind ein Verfechter dieses Schwerpunktpro- jekts im Grünen Ring Leipzig. Welches sind die maßgeblichen Gründe dafür? Nachhaltiges Flächenmanagement ist von großer Bedeutung für die dauerhafte Entwicklung unseres Natur- und Wirtschaftsraums. Des- halb lehnen wir unsere Arbeit konsequent an das Nachhaltigkeitsziel von Bund und Freistaat an. Der Überblick zeigt, dass die Zahl verfügbarer Flächen für Kompensationsmaßnahmen seit Jahren stetig abnimmt. Herr Rosenthal, wie haben Sie es geschafft, die erfolgten Eingriffe den- noch zu kompensieren? Eine dynamische Stadt wie Leipzig erfordert ein hohes Maß an Ideen- reichtum und Flexibilität bei der Erfüllung verschiedenster, zum Teil miteinander konkurrierender Nutzungsinteressen. Um den steigenden Flächenansprüchen für Gewerbe-, Wohn- und Freiraum zu genügen, setzen wir die Maßnahmen schon seit Jahren verstärkt auf Brachflächen um – sowohl in Leipzig als auch in den Umlandkommunen. Dadurch wurde fruchtbarer Boden geschont und allein im Stadtgebiet konnte ca. 3700 brachliegenden Flurstücken wieder neues Leben eingehaucht werden. Die Broschüre stellt Praktiken und Instrumente vor, die auch anderen Regionen im Flächenmanagement Beispiel sein können. Frau Zábojník, einige der Kompensationsmaßnahmen für Großprojekte im Leipziger Norden wurden und werden nicht direkt vor Ort realisiert, sondern auch in anderen Kommunen des Grünen Rings Leipzig. Dies trifft häufig auf das Unverständ- nis der vom Eingriff betroffenen Bewohner. Wie begegnen Sie diesem Unverständnis? Unser vorrangiges Ziel ist es, die Maßnahmen in räumlicher Nähe zum Eingriffsort und in funktionaler Beziehung zum Eingriff selbst umzuset- zen. Leider sind in Leipzig kaum noch Entsiegelungsflächen vorhanden, sodass wir auf das Umland ausweichen müssen. Dennoch ist uns das Ungleichgewicht bewusst. Deshalb wollen wir die Bürger und Initiativen vor Ort auch für das – sicher schwierige – Thema sensibilisieren und ih- nen auch mit der vorliegenden Broschüre vermitteln, warum wir wann, wo und wie aktiv werden. Frau Zábojník, Herr Rosenthal, vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei der Entwicklung von Brachflächen? Angela Zábojník: Es gibt zwei maßgebliche Aspekte, die im Fokus ste- hen. Zum einen ist es die Eigentumssituation: 70 Prozent der Brach- flächen befinden sich im privaten Eigentum. Wir haben somit einen hohen Kommunikationsaufwand, um Interessenten und Eigentümer (-gemeinschaften) zusammenzuführen. Zum anderen gibt es eine hohe Entwicklungsdynamik bei den Flächen. Der Wechsel zwischen Brachfal- len und Nutzen kann nicht immer tagaktuell durch uns verfolgt werden. Dies erschwert das Management der Flächen. Doch auch hier kommen wir voran, haben Know-how aufgebaut und intelligente Lösungen ge- funden, um unsere Ziele zu erreichen. So haben wir z. B. zwei Flä- chenpools zur effektiven Verwaltung und interkommunalen Suche nach Kompensations- und Brachflächen etabliert. Dadurch haben wir heute einen viel besseren und schnelleren Überblick als noch vor 15 Jahren. Heiko Rosenthal: Und davon sollen auch Unternehmen und Investoren profitieren. Wir helfen ihnen, die passende Fläche zu finden und unter- stützen sie bei der Suche nach den benötigten Ausgleichs- und Ersatz- maßnahmen – schnell und kompetent. Das beweist auch die Broschüre mit guten Praxisbeispielen und Statements. Frau Zábojník, Herr Rosenthal, was wünschen Sie sich für die Zukunft des Flächenmanagements im Grünen Ring Leipzig? Angela Zábojník: Ich wünsche mir, dass sich der Weg verstetigt, den wir mit unserem interkommunalen Ansatz eingeschlagen haben. Denn ich bin überzeugt davon, dass es nur so gelingen wird, die Potenziale unserer einzigartigen regionalen Kultur- und Naturlandschaft voll aus- zuschöpfen. Dies verlangt ein Bewusstsein aller für das Thema. Deswe- gen möchte ich jeden Interessierten ermutigen, sich aktiv einzubringen. Heiko Rosenthal: Gute Ideen und eine tatkräftige Unterstützung der Bürger sowie Partner in Politik, Wirtschaft und Verwaltung werden er- forderlich sein, um die begonnenen Wege gemeinsam zu gehen. Deshalb bleiben wir im Gespräch und berücksichtigen auch weiterhin die unter- schiedlichen Interessenslagen. Dazu zählt neben kontinuierlicher Infor- mation und Kommunikation auch die konstruktive Auseinandersetzung. Frau Zábojník, was erhoffen Sie sich als Feedback für die Bro- schüre? Wir sind gespannt, wie andere Regionen und Kommunen über das Thema denken und welche Erfahrungen sie gesammelt haben. Anliegen der Broschüre ist es daher auch, einen bundesweiten Austausch anzu- regen. Darüber hinaus wollen wir mit ihr für ein interkommunales Handeln im Sinne des Flächensparens werben. Vielen Dank für das Gespräch.

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