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Nachhaltiges Flächenmanagement im Grünen Ring Leipzig

Im Gespräch Jochem Lunebach, Leiter Stadtplanungsamt Leipzig Welche Bedeutung hat das Brach- und Kompensationsflä- chenmanagement des GRL für die Stadtplanung in Leipzig? Eine außerordentlich hohe. Und das aus zwei Gründen: Erstens streben wir im Regelfall eine Voll- kompensation an. Auch wenn wir versuchen, den Löwenanteil der notwendigen Maßnahmen di- rekt im Plangebiet umzusetzen, kommen wir ohne Rückgriff auf externe Flächen nicht aus. Viele Bebauungspläne könnten daher gar nicht oder nur sehr langsam aufgestellt werden, was enorme Entwicklungsblockaden zur Folge hätte. Damit sind wir beim zweiten Grund: IKOMAN und IKOBRA zeigen hier schnell geeignete und zur Verfügung stehende Flächen auf. Diese können je nach planerischen Prämissen und Vorgaben zielgerichtet ausgewählt werden. Der Landschaftsplan gilt als ökologische Grundlage des Flächennutzungsplans. Welche Vorgaben werden darin zur Thematik gemacht? Das Revitalisieren von Brachen wird ausführlich im Land- schaftsplan aufgegriffen und ist zum großen Teil auf die Nut- zung als Grün- und Freiflächen ausgerichtet. Darüber hinaus findet eine pauschale Eignungsprüfung der Flächen für Kom- pensationszwecke statt. Sind sie dafür geeignet, können sie in die Flächenpools und in den Flächennutzungsplan eingespeist werden – inklusive vieler nützlicher Karten und Fachangaben. Im Leipziger Nordraum sind in den vergangenen Jahren viele neue Industrie- und Logistikstandorte entstanden. Dies ging mit großflächigen Bodenversiegelungen einher. Wie ist es Ihnen gelungen, diese Eingriffe zu kompen- sieren? Indem wir die beteiligten Akteure von Anfang an in das Pro- jekt einbezogen haben: begonnen bei den Städten Schkeuditz und Taucha über die Gemeinden Krostitz und Rackwitz bis hin zum Flughafen, Landwirten und den Betrieben vor Ort. Wenn Sie so wollen, ist die Entwicklung des Nordraums ein Paradebeispiel für erfolgreich gelebtes interkommunales Flä- chenmanagement im GRL. Viele Ausgleichs- und Ersatzmaß- nahmen konnten dank intensiven Austauschs direkt im Nord- raum umgesetzt werden, einige andere in weiter entfernten Kommunen des GRL. Zurzeit überarbeiten wir gemeinsam mit allen Beteiligten das Flächenentwicklungskonzept für den Norden. Kernthemen hierbei sind u. a. die Verbesserung der Lebensqualität vor Ort, Grünstrukturen und Landwirtschaft. Im Fokus der städtischen Planung Flächen stellen ein wichtiges Fundament für die Stadtentwick- lung dar, da sie gerade in Oberzentren wie Leipzig Ressource für vielfältige Nutzungsansprüche sind. Ihre Berücksichtigung in der städtischen Planung ist daher von besonderer Bedeu- tung. Brach- und Kompensationsflächen werden in Leipzig umfassend im Stadtentwicklungsplan sowie im Flächennut- zungs- und Landschaftsplan thematisiert und gekennzeichnet (vgl. Interview). Damit soll das Bemühen unterstützt werden, zunächst die Potenziale der vorhandenen Brachflächen auszu- schöpfen, bevor Böden neu versiegelt werden. Unvermeidbare Eingriffe können so bestmöglich in räumlicher und funktio- naler Nähe zum Eingriffsort kompensiert werden. Am Beispiel des 2004 neugestalteten Lene-Voigt-Parks im Leipziger Osten zeigen die nebenstehenden Kartenausschnitte sehr anschaulich, wie Flächen in den verschiedenen städtischen Planungswerkzeugen berücksichtigt werden. Der ehemalige Eilenburger Bahnhof ist dazu gut geeignet, da hier – ange- fangen vom Leitbild im Landschaftsplan bis hin zur Ausfüh- rungsplanung nach einem breiten Beteiligungsprozess – die erfolgreiche Umgestaltung einer Verkehrsbrache zu einem entscheidenden Impulsgeber im Stadtumbau verfolgt werden kann. Das Besondere dabei: Ohne die Festsetzung als Kom- pensationsfläche im Bebauungsplan würde es den ca. elf Hek- tar großen Park heute nicht geben. Das umliegende Quartier erfreut sich seit Jahren wachsender Beliebtheit und ist dank der neuen Grünverbindung zu einem begehrten Freizeit- und Erholungsziel zwischen Innenstadt und Stadtrand avanciert. 30 Nachhaltiges Flächenmanagement Ein Erfahrungsbericht 2002 erhielt der Lene-Voigt-Park den Europäischen Preis für Landschaftsarchitektur, da das Konzept viel Raum für bürgerschaftliches Engagement und Mitwirkung bot.

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